Pestprozession

Als ich gestern früh über den Dorfplatz eilte, schnitten meine Ohren ein Gespräch mit, das ein mit zwei Hunden bewehrter Gast aus dem Süden mit seinen beiden Frauen – die klassische italienische Konstellation: Ehefrau und Mutter oder Schwiegermutter, so darf wohl mit einiger Sicherheit angenommen werden - führte, oder vielmehr stellte er den beiden Damen eine Frage, die selbige aber wohl kaum in der Lage gewesen sein dürften, zu beantworten: Er fragte, ob die Prozession, die da durch die Gasse und über den Kirchplatz (bei uns heißt das Dorfplatz), dem Kirchenpatron gewidmet sei, ob Kastelruth sein Patroziniumsfest feiere.

Ich konnte ein mitleidiges Lächeln nicht verhindern: Der Mann hat eine Ahnung! Die “großen” Prozessionen hier im Dorf sind grandiose Feste, mit den schönsten Trachten, den strahlendsten Farben, den größten Fahnen, der besten Musikkapelle, den stolzesten Menschen… und das alles schier ohne Ende.

Nein, was da gestern durch das Dorf zog, war ein vergleichsweise “armseliger” Zug: Keine Fahnen, keine Trachten, kein Schmuck und keine Pracht, die vergleichsweise spärlichen Teilnehmer in schlichter Alltagskleidung, lediglich die Kirchenmenschen schritten unter einem Baldachin einher und in den Fenstern der Häuser, an denen die Prozession vorüberging, brannten Kerzen: Denn tatsächlich war es die Pestprozession, die dem Mann da begegnete.

Seit etwa 200 Jahren begehen die Kastelruther einmal im Jahr - am Freitag nach Christi Himmelfahrt, um genau zu sein – diese immergleiche Route mit dem immergleichen Ritus: Um 03.30 Uhr morgens “ruft” die Große (Glocke) die Menschen aus ihren Betten, und um 04.00 Uhr setzt sich der Zug – Männer voran, Frauen hintendrein, ganz wie es sich gehört ;-) in Richtung St. Michael, von dort via Pestfriedhof nach St. Valentin und wieder heim nach Kastelruth, wo sie um etwa 10.00 Uhr eintreffen und die letzte der insgesamt drei Messen dieses Tages hören.

Früher war es üblich oder vielmehr Pflicht, dass pro Haushalt mindestens ein Kopf an dieser Prozession teilnahm. Das ist natürlich längst nicht mehr so, aber immerhin: Wenn man bedenkt, wie weit die letzte Pestepidemie zurück liegt und wie wenig akutell die Pest überhaupt ist, so ist es doch erstaunlich, wie viele Menschen noch immer an diesem Brauch festhalten und sich um halb vier Uhr früh aus dem Bett quälen, um zu bitten und zu beten, der Herrgott möge doch diese Gegend von der Pest verschonen.

Es muss das, so um 1730, eine schreckliche Zeit gewesen sein, wenn sie so lange und so nachhaltig in den Genen der  Nachkommen nachhallt: Sagen erzählen schaurige Geschichten darüber, wie damals das Vieh in den Ställen brüllte, weil am Hof niemand mehr am Leben war, der es hätte versorgen können, wie die Menschen ein brennendes Lichtlein in das Fenster stellten, um zu signalisieren, dass in diesem Haus noch jemand am Leben war, wie die Totengräber all die vielen Leichen gar nicht mehr gesittet unter die Erde bringen konnten, und wie, am Ende, die Seuche um ein Haar alles Leben im Dorf ausgelöscht hätte.

Damit so etwas nie wieder vorkomme, wälzen sich um 03.30 Uhr am Freitag nach Christi Himmelfahrt die gottesgläubigen Kastelruther aus ihren Betten und begehen die schlicht-bescheidene Pestprozession: keine Farben, kein Prunk und keine Pracht, keine Musik und keine Zuschauer – nur schlichte Andacht und vermutlich einfach Glaube.

Ich denke mir halt, dass das so sein muss: Ich kann mir nämlich schlicht und einfach nicht vorstellen, dass eine Gärtnerei – Kräuter- oder welche Gärtnerei auch immer – schöner sein könnte als das der Pflegerhof (www.pflegerhof.com) ist. Dabei denke ich jetzt weniger an die Betriebsstruktur selbst, die ist zweckmäßig und schlicht, ganz wie es sich für einen biologisch wirtschaftenden Betrieb gehört, sondern vielmehr an die vermutlich ganz und gar unschlagbare  Lage der Gärtnerei: Sie ertrinkt förmlich im Grün der Wiesen und Wälder, die sie umgeben, diesseits des Tales, jenseits des Tales, dort drüben, am Ritten, und dort oben, zu den Füßen des mächtigen Schlern. Wie immer man sich auch drehen und wenden mag, da ist nichts als überwältigend schönes Land rundherum.

Aber das geht noch besser: Was nämlich andernorts gern mit Stress und mit meist unangenehmen Empfindungen verbunden ist, nämliche Warten, ist hier das reinste Vergnügen, Erholung und fast schon ein Urlaub für das Sein und die Sinne: Die Sonne scheint warm, der Boden ist weich und nachgiebig und offen, kein “zivilisatorischer” Lärm stört die schöne, ländliche Stille und über diesem zauberhaften Ganzen weht als Krönung eine leichte, sommerliche Brise dem Besucher mal den einen, mal den anderen Duft sonnenbeschienener Kräuter in die Nase.

Es ist das schiere Glück. Habe ich das schon mal gesagt?

 

Schönes Land, reiches Land

60 – und gleich einmal in Worten, des besseren Verständnisses wegen: Sechzig – Millionen Euro wird der Ausbau der Völser Straße, oder besser: Ihres gefährlichsten Teilstücks kosten. In zwei Jahren soll die Röhre durch den Berg fertig sein, und somit diese viel befahrene Verbindung vom Berg ins Tal sicherer sein. Ich bin gespannt, a) wie lange es dann wirklich dauern wird und b) wieviel es gekostet haben wird :-)

Immerhin finde ich nach wie vor, man muss sich  nur einmal a) unsere Straßen und b) unsere (Landes-)Museen ansehen, um mit quasi Null (Zeit-)Aufwand im Nu zu erfassen, wie reich dieses Land ist und wie gut es uns geht (möge sich das nie ändern).

Andererseits kann man natürlich u. a. am Straßenbau sehr gut sehen, wie teuer und grundsätzlich sehr aufwändig das (Über-)Leben in den Bergen ist.

 

 

“Eva schläft” auf Reisen

“Eva schläft” ist ein ziemlich gelungener Roman der römischen Autorin Francesca Melandri; in ihrem Buch beschreibt die Autorin a) die Geschichte Südtirols und b) die Geschichte einer Liebe zwischen dem Süden Italiens und dem Pustertal. Ich persönlich habe a) bei weitem bevorzugt – die Autorin schafft es, heikle Situationen, die an und für sich hohes Kitsch-/Rührseligkeitspotential haben,  in schöne, starke Worte zu packen. Das mochte ich sehr – allerdings: Ich habe das Buch im italienischen Original gelesen (ja, diesen Luxus leiste ich mir, wo immer möglich).

Jetzt habe ich das Buch auf Reisen geschickt, via www.bookcrossing.com und hoffe, dass es auf lesefreudige Menschen trifft.

Eva schläft (Francesca Melandri, erschienen bei Blessing)

(di Claudio Sabelli Fioretti, articolo apparso nella rubrica “Provocazioni d’autore” su “Io Donna” (14 Gennaio 2012) de “Il Corriere della Sera”:

Sulle Alpi scendevano fiocchi candidi che imponevano il silenzio. Oggi invece le montagne attirano solo folle di maniaci dello sci e delle motoslitte. Un turismo da villaggio vacanza, con tanto di Kinderpark. E valanghe d’immondizia.

C’è gente che non ha mai visto la neve. C’è, credetemi. C’è anche un bel libro di Francesca Caminoli, La neve di Ahmed, in cui il protagonista è un ragazzo curdo di quattordici anni, che dal Duomo di Milano vede la neve sui monti e decide di andarla a cercare. Perchè lui, la neve, non l’ha mai toccata. Sembrano cosa incredibili oggi che la comunicazione ha raggiunto livelli così avanzati. Oggi tutti hanno visto la neve, anche quelli che non l’hanno mai calpestata. Oggi la televisione, e ancor più internet, ci fanno vedere tutto.

Ci convincono di essere stati ovunque, di aver visto ogni cosa, di non aver più nulla da scoprire. Siamo stati tutto sul pack, nella bocca di un vulcano, sul fondo dell’oceano, nell’isoletta sperduta della Polinesia, in cima all’Aconcagua, nella Terra di Fuoco. Abbiamo doppiato tutti Capo Horn e trovato il passaggio a Nord Ovest. Tutti abbiamo visto tutto e l’abbiamo visto al meglio.

Le foto e i video ci hanno mostrato borghi medioevali puliti, perfetti. E invece sono pieni di fili della luce, di grovigli di cavi telefonici, di decine di antennne paraboliche. Vediamo spiagge incontaminate e ignoriamo che sono piene di sacchetti di plastica e di lattine di bibite abbandonate. Perfino il campo base dell’Everest, il luogo che più di tutti immaginiamo e vediamo bianco, pulito, lucente è al contrario una specie di latrina e di discarica. La rappresentazione della realtà è molto migliore della realtà. Noi tendiamo a migliorare, lavorando di sphotoshop, di gomma, di zoom, quelle realtà che abbiamo contribuito a sporcare e che abbiamo in programma di sporcare sempre di più.

Così la neve. E quando tutto ciò succede alla neve mi viene il magone. Perchè l’ho frequentata fin da bambino, perché le neve è bianca, perché è quasi sempre lontana dalla civilizzazione che sporca, perché la vorresti sempre così, soffice, senza impronte, leggera, farinosa. Perché la neve ricorda semplici e allegri giochi infantili. Perché la neve è silenzio. Perché la neve conserva le tracce discrete dei caprioli e delle marmotte.

La neve meriterebbe maggior rispetto. È vero che è divertente sciare. È vero che lo sviluppo degli sport invernali ha contribuito al benessere delle comunità montane e ha posto un freno all’abbandono delle montagne da parte dei giovani. È vero. Non bisogna peccare di nostalgia dei tempi passati.

Ma quando vedo le foto degli elicotteri che trasportano la neve sulle piste come è successo quest’anno in una località del Trentino, quando vedo le montagne più affollate di piazza del Duomo di domenica, quando vedo distese di sedie a sdraio, più fitte degli ombrelloni di Riccione, a quota duemila. Quando vedo strade costruite sui ghiacciai. Quando vedo degli imbecilli che corrono come dei pazzi sulle motoslitte. Quando vedo intere montagne coperte di piloni, percorse da funi, devastate da masse urlanti, da bambini che abbandonano pacchetti vuoti di patatine. Quando sento la musica uscire dagli altoparlanti degli impianti di risalita come fossero una discoteca qualsiasi, mi dico “Va bene, il benessere delle comunità montane… Ma non si poteva fare altrimenti? Era l’unica strada? Non c’è un sistema per fare stare bene l’uomo senza violentare la natura? L’uomo sta veramente bene dopo aver ferito i boschi e deturpato le montagne?”

E poi c’è la cugina bastarda della neve, la neve artificiale, il contrario della neve. La neve che inquina, la neve che consuma energia. Ai proprietari degli impianti di risalita la neve naturale sta pure antipatica. È vero, è gratis. Ma scende quando vuole lei, si fa attendere, oppure ne viene giù troppa, e ha il vizio di scendere anche di giorno disturbando le truppe cammellate degli sciatori.

Vuoi mettere con la neve artificiale che viene sparata a comando dai cannoni, che può essere addizionata di prodotti chimici che la rendono più obbediente e duratura, che può essere prodotta in un luogo e trasporata in un altro? Riusciremo a salvare le nostre montagne dalla stupidità umana? Sono pessimista. L’uomo prima distrugge in nome del progresso e poi piange la bellezza perduta. Ho visto interi pianori, raggiunti sportivamente a piedi, o meno avventurosamente, con una funivia, coperti da quelle costruzioni di gomma colorate che qualcuno chiama kinderpark. Orrende Gardaland che stuprano il verde dei prati e boschi ma anche, d’inverno, il bianco della neve. C’è speranza? No. A mio giudizio non c’è speranza.

Quella del supposto progresso dell’uomo, nella produzione di beni ma anche nella determinazione del suo tempo libero, è una strada senza ritorno, di fronte alla quale noi perdiamo la ragione. Non ci sarà rispetto né per l’aria, né per l’acqua, né per la terra (già oggi si inquina allegramente sia la prima che la seconda che la terza).

Ma non avete idea di che cosa si possa progettare in  nome del progresso. In nome del progresso si fa tutto. Qualcuno propaganda la decrescita felice. Uno stop di riflessione che aiuti a capire che anche senza consumare si può vivere bene. Ma noi vogliamo possedere tutto. E possedendo si distrugge.

Non ci accontentiamo di guardare. Spesso, guardando, la gioia è maggiore. Vedere un bosco illuminato dal sole dopo una notte di fitta nevicata. Ammirare un pianoro di neve vergine. Mille volte meglio che calpestarlo con al collo lo skipass.

(di Claudio Sabelli Fioretti, articolo apparso nella rubrica “Provocazioni d’autore” su “Io Donna” (14 Gennaio 2012) de “Il Corriere della Sera”:

Endlich! Langlaufen!

 Das hier sind meine neuen Fußspitzen. Ja, ich weiß, sie sehen recht schnittig aus, und ein bißchen schäme ich mich auch, Sie wissen schon: Super-Ausrüstung, und dann kaum damit umgehen können. Nun ja, zu meiner Rechtfertigung darf ich sagen, dass ich sie gar nicht ausgesucht habe, ein Bekannter hat sie mir aus zweiter Hand besorgt. Ich hatte also gar keine Wahl. Schön finde ich sie trotzdem.

Wir haben nämlich jetzt – und das ist es, worauf ich hinaus wollte – eine kleine Loipe, keine zweihundert Meter von hier da drüben beim “Kochler”, so heißt’s im Einheimischen-Jargon. Und zumal ich schon seit fünf Jahren den starken Wunsch hege, mit der Langlauferei zu beginnen und diesen Wunsch vornehmlich aus Zeit- und organisatorischen Gründen von einem Jahr auf’s nächste verschob, war nun diese meine Chance, die es am Schopf zu packen galt: Super-Schnee, Super-Wetter, Super-Loipe supernahe… und keine Ausrede/n mehr ;-) Jetzt oder nie (mehr), so sagte ich mir, und stürzte mich auf die schmaleren Bretter.

Denn ich muss sagen, das Skifahren oder was man im allgemeinen so darunter versteht, das Sitzend-Bergauf-Fahren und Schnell-Bergab-Fahren also an einem übervölkerten Hang, interessiert mich schon lange nicht mehr. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger interessiert es mich. Zu meinen Zeiten, da war das Skifahren noch richtig schön. Da konnte man auch an Sonn- und Ferientagen die ganze Florianpiste in der Hocke hinunterschießen, von oben bis unten, so wenig los war da. Die Lifte waren so langsam, dass man an wenigen Tagen im Jahr schon Mal ein Weilchen anstehen musste, Zeit, die man gern dazu nutzte, zu flirten oder andere zu ärgern. Heute ist zum Flirten und Ärgern keine Zeit mehr, denn: Skifahren ist ein aggressiver Sport, heutzutage: Helme, Rückenschutz, Pisten-Polizei und tödliche Unfälle jedes Jahr; dazu all der Aufwand, der getrieben werden muss, damit der Ski-Betrieb überhaupt funktionieren kann… da ist die Frage, ob das alles überhaupt (noch) zeitgemäß ist, doch ganz und gar legitim?! Geht das noch?! Heutzutage?! Oder, andersrum: Ist das Skifahren nicht ein wenig altmodisch, überholt, ein Anachronismus?

 Doch ist unsere Welt ja schön, weil sie bunt ist, und ich MUSS ja nicht skifahren, also  lasse ich es bleiben und wende mich den Alternativen zu, die es ja gibt (haben wir’s nicht schön?!) und als da wären, unter anderen und wie schon gesagt: der Langlauf. Etwas für Trendsetter, ja  Dieser Sport, so finde ich, fordert in erster Linie mich, und erst lange danach meine Umgebung. Er fügt sich wunderbar ein in die Landschaft und nimmt ihr nicht das Geringste. Er kann ausgeübt werden nach Lust und Laune, ganz und gar unabhängig von jeglichen Zubringerstrukturen um 07.30 Uhr in der Früh oder um 17.00 Uhr am Nachmittag oder auch mitten in der Nacht, bei Vollmond, und wenn der mal aus ist, nimmt man Stirnlampen als Mond-Ersatz. SO geht das, mit Freiheit und Abenteuer.

Obwohl, womöglich hängt’s ja auch bloß damit zusammen, dass wir mit den Jahren die Dinge einfach ein wenig anders sehen. Das Laute, der Geschwindigkeits- und Adrenalinrausch ist ab einem gewissen Alter nicht mehr ganz so sexy, dafür gewinnt das rhythmische Gleiten in stiller Natur – das ja durchaus etwas Meditatives hat – deutlich an Attraktivität; wir haben’s einfach nicht mehr nötig, uns(er) Selbst per Fahrtwind zu übertönen, wir können auch mal still in uns hineinhören – und tun’s ganz gern. Und davon abgesehen, ist langlaufen schlicht und einfach. Zeitgemäßer. Moderner.

Und schön. Wirklich superschön, wenn man denn den Rhythmus mal gefunden hat ;-)